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Möbel nach Maß in Heidelberg: Wann sich die Tischlerei lohnt

Eine Tischlerei lohnt sich immer dann, wenn der Raum nicht mitspielt: wenn Wände nicht im rechten Winkel zueinander stehen, Decken sich neigen, Böden fallen und Nischen zu tief oder zu flach für jedes Regal aus dem Katalog sind. In Heidelberg ist das kein Sonderfall, sondern der Normalzustand vieler Wohnungen. Der Altbau- und Gründerzeitbestand der Stadt bringt hohe Räume, gewachsenes Mauerwerk und Grundrisse mit, die über lange Zeit umgebaut, geteilt und wieder zusammengelegt wurden.

Wo der rechte Winkel fehlt

Serienmöbel setzen voraus, was im alten Haus selten zutrifft: gerade Wände, ebene Böden, gleiche Höhen über die ganze Zimmerlänge. Wer einen fertigen Schrank vor eine Altbauwand stellt, kennt das Ergebnis — oben klafft ein Spalt, unten kippt der Korpus, und hinter der Rückwand bleibt eine Fuge, in der sich Staub sammelt. Ausgleichen lässt sich das mit Keilen und Leisten nur bis zu einem gewissen Punkt. Danach sieht man dem Möbel an, dass es nicht für diesen Raum gedacht war.

Eine Tischlerei geht den umgekehrten Weg. Sie nimmt den Raum so auf, wie er tatsächlich ist, mit allen Abweichungen, und plant das Möbel um diese Abweichungen herum. Passleisten an den Seiten, hinterschnittene Anschlüsse zur Wand, geteilte Korpusse und eine Sockelkonstruktion, die den fallenden Boden auffängt, sind dabei keine Extras, sondern das Handwerk selbst. Sichtbar wird davon am Ende nichts — genau das ist der Punkt.

Dachschrägen und die Fläche, die sonst niemand nutzt

Ausgebaute Dachgeschosse gehören in vielen Heidelberger Häusern zum Bestand, und sie sind der Ort, an dem Maßarbeit den größten Unterschied macht. Unter einer Schräge endet die nutzbare Höhe irgendwo mitten im Raum. Fertige Schränke stehen dann entweder zu weit vorn oder passen gar nicht erst unter den Anschluss. Der Bereich dahinter bleibt leer, und mit ihm ein erheblicher Teil des Zimmers.

Ein Einbau unter der Schräge dreht das um. Typische Lösungen, die eine Tischlerei dafür entwickelt:

  • Schubladen und Auszüge, die den Stauraum nach vorn holen, statt Sie in eine niedrige Nische kriechen zu lassen
  • Türen, die der Neigung folgen, statt eine gerade Kante vor die Schräge zu setzen
  • flache Einbauten unter Fensterbänken und in Wandnischen, die sonst ungenutzt bleiben
  • Regale, die eine vorhandene Kaminwange oder einen Vorsprung aufnehmen, statt Abstand zu halten

Kleine Grundrisse in einer Stadt der Mietwohnungen

Heidelberg ist eine Universitätsstadt mit hohem Anteil an Mietwohnungen und mit einem Wohnungsmarkt, der sich im Semesterrhythmus bewegt. Viele Grundrisse sind eher klein geschnitten, dafür hoch. Wer diese Höhe nicht nutzt, verschenkt sie: Aufsatzschränke bis knapp unter die Decke, Hochbetten mit Arbeitsplatz darunter oder eine Garderobe, die in die Tiefe statt in die Breite geht, schaffen Platz, ohne Grundfläche zu kosten.

Für Mieterinnen und Mieter kommt eine Frage dazu, die vor dem Auftrag geklärt gehört: Was passiert mit dem Einbau beim Auszug? Ein fest verschraubtes Möbel kann eine Rückbaupflicht auslösen. Sprechen Sie das früh mit der Vermieterseite ab und lassen Sie sich das Ergebnis schriftlich geben. Eine erfahrene Werkstatt plant auf Wunsch auch so, dass sich der Einbau zerstörungsfrei lösen und andernorts wieder aufbauen lässt.

Woran Sie eine passende Werkstatt erkennen

Der erste Hinweis ist das Aufmaß. Wer ein Angebot allein nach Ihren Handyfotos und einer durchgegebenen Zimmerbreite erstellt, hat das Wesentliche noch nicht gesehen. Seriös ist der Termin vor Ort, bei dem gemessen, geklopft und nachgefragt wird: Was trägt die Wand? Wo verlaufen Leitungen? Wie weit ist der Boden aus der Waage?

Der zweite Hinweis ist die Art der Beratung. Eine gute Werkstatt redet Ihnen nicht jeden Wunsch schön, sondern sagt, wo eine Fertiglösung ausreicht und wo Maßarbeit den Unterschied macht. Und sie erklärt, welches Material zu welcher Nutzung passt — was in einem trockenen Wohnraum unproblematisch ist, kann im Bad oder in einer wenig beheizten Kammer arbeiten. Lassen Sie sich außerdem beschreiben, wie Lieferung und Montage ablaufen: In der Altstadt mit ihren engen Gassen und in den Hanglagen des Neckartals sind Treppenhaus, Zufahrt und Anlieferzeitfenster keine Nebensache, sondern Teil der Planung.

Maßarbeit rechnet sich dort, wo der Raum eigenwillig ist — und in einem Altbau ist er das fast immer. Wer den Auftrag ruhig vorbereitet, das Aufmaß vor Ort machen lässt und bei einer Mietwohnung die Rückbaufrage vorab klärt, bekommt ein Möbel, das nicht nur passt, sondern den Raum größer wirken lässt, als er auf dem Grundriss aussieht.

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